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Dienstag, 23. Juni 2009

Der gefolterte Ex-Komissar Alfredo Cáceres packt aus!













"Bower ist ein Verrückter, der unerklärlicherweise noch frei herumläuft"

Teil 2 des Interviews der ABC Color und des im Mai 2000 schwer misshandelten
ehemaligen Polizeikomissars Alfredo Cáceres. "Das einzige, was ich mir wünsche ist, dass dieser miserable Mann nicht vor der Justiz entkommt und das auch alle anderen, die in diese Barberei verwickelt sind, eine Strafe bekommen. Dies sind Basilio Pavón, Mercardo Palacios und Osvaldo Vera. Ich sehe es schon kommen, wenn Bower keinen Ausweg mehr sieht, wird er entkommen. Er ist ein Feigling." Wie er weiter berichtete, hat Bower sogar Offiziere vor ihren
Untergebenen mit den Füssen getreten. "Er hat die Polizeiinstitution bis aufs Unterste erniedrigt. Und viele haben sich bestechen lassen. Der General Quiñónez Imas hatte berichtet, dass der Senator Juan Carlos Galaverna in dieser Nacht des 18. Mai 2000 den Befehl gegeben hatte, das Feuer auf die Panzerwagen zu eröffnen, die ins Zentrum gekommen waren."
x - Es war ein grosses Risiko, das Wachbuch aus der Wache der Marine zu schmuggeln und es der ABC zu übergeben. Wer weiss, was man ihnen noch angetan hat, denn dieser Candia wurde als Verteidigungsminister noch prämiert...
x - Für die Offiziere ist es eine Beleidigung, dass diese Leute unter der Führung von Walter Bower und Miguel Angel Candia die Einheit beschmutzt haben, indem sie diese Schweinereien dort getan haben.
x - Es gibt schwerwiegende Beweise, aber alle sind auf freiem Fuss...
x - Letzte Woche hat Bower ja wieder den Prozess gestoppt, indem er versicherte, er sei nicht rechtzeitig benachrichtigt worden und dass sein Anwalt Alvaro Arias eine andere Audienz hatte. Als wir die Treppe heruntergingen, trafen wir diesen Anwalt. Wir haben sogar mit ihm gesprochen.
x - Ist der Arm dieser Leute noch sehr lang?
x - Er macht sich lustig, führt uns an der Nase rum. Wir müssen es einmal schaffen, dass wir Verurteilungen für solche Leute erreichen. Er schien fast mit Drogen vollgepumpt. Hat den Kommandanten geradezu überrannt. Hat die Hauptkomissare um 1 oder 3 Uhr nachts ausgewechselt. Mich hat er mal um halb 3 ausgewechselt. Und hat die Offiziere vor den Untergebenen getreten. Er ist ein Verrückter, der unglaublicherweise frei herumläuft.
x - Diese Regierung (von González Macchi) hat Oppositoren, Reporter, Intellektuelle bestochen, um irgendeinen Vorteil zu erlangen...
x - Da sind unglaubliche Dinge geschehen, man sah Kameraden andere Kameraden foltern, alles um diesen Abschaum zu befriedigen.
x - Aber hatten die denn eine andere Alternative als Gehorsam? Da hiess es doch, Hosen runter, Fortschritt machen oder auf der Strasse landen, das war doch die Regel damals.
x - Ja, so war es. Heute hat der Kommandant schon gar nicht mehr die Autorität, jemanden zu ermahnen, denn dieser sieht ihn nicht mehr als seinen Chef an. Das muss heute über andere Wege geschehen.
x - Wer hat denn das gesagt, dass ihr Polizeioffiziere in jener Nacht vom 18. Mai 2000 im Hauptquartier anzutreffen sein würdet?
x - Die Untergebenen haben gesagt, dass ich sie in keinem Moment entwaffnet oder bedrängt hätte. Sie sagten, ich hätte die Sicherung des Hauptquartiers und des Kongresses angeordnet, weil die Panzer kamen. Sie haben bestätigt, dass ich den Polzeichef angerufen habe und ihn nicht erreichen konnte.
x - Wo waren denn alle?
x - Sie kamen alle mit Bower. Man hatte mich schon festgenommen. Ich war mit einer Handschelle ans Handgelenk eines Komissars, Cayo Núñez, gefesselt. Mit allen Mitteln, mit Gewalt, wollten sie mich auf die Strasse führen. Ich habe mich geweigert. Ein anderer Komissar, Vázquez, sagte ihm, auf der Strasse könnten sie mich töten. "Ich habe Befehle", antwortete Núñez
x - Wer war denn dieser, ein A...lecker des Ministers?
x - Der Komissar der Neunten. Der Komissar Miguel Angel Rojas sagte ihm, er habe schon mit dem Minister gesprochen, aber der andere wollte mich auf jeden Fall mitnehmen. Dann sind wir nach Presidente Franco. So um halb 2 kam Bower mit seinen Leuten: Der Vizeminister Chase und Komissar Blas Chamorro. Dann kamen noch der Kommandant Casto Guillén, ein Unteroffizier und 30 bis 40 Komissare aus Asunción.
x - War das vorbereitet?
x - Ich war total verunsichert, schockiert. Plötzlich kam Bower zu mir und schrie:"Bereite du dich vor, zu kämpfen. Feigling, Mistkerl. Wir werden kämpfen. Nichtsnutz, Oviedista, Blödmann!" Er deutete einen Schlag in mein Gesicht an. "Nehm die Mütze ab", schrie er. Ich hob meine linke Hand, denn die rechte war ja an Núñez festgeschnallt, und als ich mir die Mütze abnehmen wollte, schlug er zwischen meinen Kopf, meine Hand und die Mütze und die Mütze flog in hohem Bogen auf den Boden. Das ist ein Beispiel für einen der erniedrigsten Aktionen gegen einen Uniformträger. Dann hat er angeordnet, dass man uns ins Marinekommando bringe. Unter den Verhafteten erkannte ich den Komissar Aurelio Franco, der auch in der 1. Zone festgenommen wurde. Der hatte auch mit Chamorro gesprochen. Aber Chamorro, Polizeichef der 1. Zone, ist nie
erschienen.
x - Er wurde dann aber als Kommandant bestätigt...
x - Ich hörte, dass man Casto Guillén befahl, die Brüder Verlerio und Miguel Angel Figueredo zu verhaften. Dann hat man mich auf die Camioneta geschafft und zur Marine gebracht. Während der Fahrt hat einer meiner Kameraden zu Basilio Pavón gesagt: "Du bist absolut schamlos", und er hatte ironisch geantwortet, er habe ja Befehle vom Minister und dürfe so handeln.
x - Und wie stehen Sie heute als Polizeibeamter da?
x - Ich wurde vom Dienst verabschiedet. Ich habe gerichtliche Schritte eingeleitet, um wieder aufgenommen zu werden. Unter Nicanor Duarte Frutos sind die anderen alle wieder aufgenommen worden, sowohl Militärs als auch Polizisten, aber ich nicht.
x - Nach wieviel Jahren Polizeidienst?
x - Es waren 32 Jahre.
x - Das muss eine Entschädigung geben. Es ist bewiesen, dass es sich um Staatsterror handelte.
x - Das war Staatsterror, angeführt vom Innenminister Walter Bower und dem Verteidigungsminister Nelson Argaña. Sie wussten, was passieren würde. Stellen Sie sich vor, ein Verrückter hätte die Polizei befehligt und die Panzer beschossen, wieviel Tote hätten wir gehabt.
x - Was denken Sie, was die vorhatten?
x - Wir hatten schon eine Vermutung, was passieren würde. Es waren 2 Gruppen. Im März 2000 brachten sie die Campesinos nach Asunción zu Demonstrationen. Es war auffällig, wie oft der Komissar Fugueredo den Senator Galaverna im Kongress besucht hat...
x - Ein Umsturz von Galaverna?
x - Um Staatspräsident zu werden, denn in dem Moment war er ja Kongresspräsident.
x - Galaverna mit wem?
x - Sie wollten ja die Wahlen zur Bestimmung des Vizepräsidenten nicht. Sie wollten eine Situation wie 1999 schaffen und dass man den Ausnahmezustand ausrufe. Die Colorados waren geteilt.

(Zur Erläuterung: der rechtmässige Staatspräsident war ja Raúl Cubas Grau -Oviedo-Anhänger-gewesen, der zurücktreten musste, worauf der Vizepräsident Luis González Macchi - aus dem Argaña-Lager- der Staatschef wurde. Dritter in der Liste ist der Kongresspräsident, falls beide anderen ausfallen.)

x - Der Beweiss ist, dass Yoyito (von der liberalen Opposition) gewann. Die Anhänger von Oviedo hatten für ihn gestimmt.
x - Man sagte damals mit vorgehaltener Hand, dass Nelson Argaña behauptete, man würde in weniger als 24 Stunden González Macchi absetzen und seinen Bruder Félix Argaña zum Präsidenten ernennen...
x - Klar, die Argañas wollten den kompletten Sieg sichern..
.x - Und das war González Macchi und Bader Rachid Lichi zu Ohren gekommen. Und so kam es, dass diese nicht die Kampagne von Argaña unterstützten. Man sagte, es gäbe viel Geld für die Liberalen, damit diese die Wahl gewinnen, aber mit der Bedingung, dass sie nicht die Regierungsmacht reklamieren. González Macchi wusste, was die Argañas planten. Er hat ihnen den Rücken gekehrt und Argaña verlor. So war dann auch das Argaña-Lager unter sich zerstritten.
x - Und der Putschversuch war, um Galaverna zum Präsidenten zu machen?
x - Genau. Erinnern sie sich, dass Galaverna vor dem Ende seiner Amtszeit als
Kongressvorsitzender im Jahr 2000 forderte, dass González Macchi der politische Prozess gemacht wird? Der Kandidat von denen war da schon Nicanor Duarte Frutos.
x - Und warum hat das nicht geklappt?
x - Weil Nicanor diesen Schachzug schon eraten hatte und Galaverna dann nicht in der Forderung nach einem politischen Prozess für González Macchi unterstützte. Erst so konnte dann die saubere Kandidatur von Duarte Frutos beginnen. Galaverna hat sich selbst im Radio verraten. Das war aufgenommen. Er sagte, dass mehrere Militärs und ranghohe Polizeioffiziere ihm angeboten hatten, Präsident zu werden. Das ist sogar in der Aussage von General Quiñónez festgehalten, der berichtet hatte, Galaverna habe in der Nacht vom 18. Mai Befehl gegeben, das Feuer auf die Panzer zu eröffnen. Es hätte zahlreiche Tote gegeben. Das wäre eine Katastrophe geworden...
x - Und dann hat man den Putschversuch Oviedo in die Schuhe geschoben, wie immer...
x - Man wollte ihn auf jeden Fall darin verwickeln. Als man mich gefoltert hat, haben sie darauf bestanden, dass ich gegen Oviedo aussage.
x - Das war aber ein kindischer Putschversuch, wo die Haupttäter Militärs ausser Dienst waren...
x - Ja, was für einen Putsch soll man denn mit Militärs oder Polizei im Ruhestand machen? Man hat sich einiger unzufriedener Militärs und Polizisten bedient, um dieses Szenarium aufzubauen.
x - Pure Naivität.
x - Es ist absurd, einen Putsch mit Leuten im Ruhestand zu machen.
x - Das hat ja schon einmal General Regis Romero gesagt, wer in den Ruhestand geschickt wird, ist dann wie gelähmt...
x - Ja, so ist es. Man muss eine starke politische Macht haben, eine unzufriedene Bevölkerung, die Mehrheit der Medien unter Kontrolle. Und dann müssen die Kommandanten noch mehrheitlich einverstanden sein..
x - Die Polizei müsste komplett auseinandergenommen werden, um neu zu beginnen, sagt der Anwalt Mario Elizeche?
x - Mit mehreren Ex-Kommandanten haben wir das Thema untersucht. Von den 12 - 13.000 Polizeibeamten im aktiven Dienst könnte man nach ausführlicher Prüfung vielleicht 2 bis 3.000 herausnehmen, mit denen man aufrichtig arbeiten könnte. Sowas geht heute nicht.
x - Es gibt immer mehr Polizeigangster oder Mittäterschaft
x - Ein Verbrecher, der im Grossraum Asunción aktiv ist, hat Polizeischutz. Erst wenn wir Kommandanten haben, die gnadenlos auf sie losgehen und von denen sie wissen, dass es ernst wird, erst dann werden die Verbrecher gehen. Wir unter uns Polizisten wissen alles über die Kameraden: ob er frei hat, ob er nach Hause ging, ob er im Komissariat schlief. Ob er ein Fahrzeug für 6.000 oder 12.000 Dollar kaufte, und wo er das Geld her hat. Wir wissen alles. Aber heute geht jeder seiner eigenen Nase nach. Bower und Nelson Argaña, diese beiden, haben die öffentlichen Kräfte in den Abgrund gezogen und laufen frei und unbehelligt herum.
x - Wenn ihnen heute der Präsident sagen würde, "bringen sie mir die Polizei wieder in
Ordnung", was würden sie tun?
x - Ich habe die "internen Angelegenheiten" studiert. Habe mich beim FBI spezialisiert.
Der Direktor für interne Angelegenheiten muss ein Polizist im Ruhestand sein, der
direkt vom Präsidenten abhängt und dessen Befehle ausführt. Er darf nicht vom
Polizeikommandanten abhängen, denn dann wird nur gemacht, was der Kommandant
anordnet.
x - Viele Polizeigangster sind wieder auf dem Vormarsch...
x - Das Erbe von Bower hält an. Viele haben richtige Gangsterbanden gebildet. Sind
verantwortlich für Raubüberfälle auf Banken, Finanzierungsgesellschaften und
Geldtransporte. Der Überfall auf dem Flughafen, erinnern sie sich? Wenn es keine
Mittäter bei der Polizei gibt, dann gibt es auch keinen Überfall. So glasklar ist das...

Sonntag, 21. Juni 2009

Foltervorwürfe gegen Walter Bower: Betroffener liefert erschütternden Bericht




Walter Bower war Innenminister der Regierung von González Macchi (1999-2003), wie der Komissar Alfredo Cáceres, einer seiner Opfer berichtete. Er wurde im Beisein von dem Kommandanten der Marine Miguel Angel Candia im Marinehauptquartier am 21. Mai 2000 brutal
gefoltert. Cáceres berichtet in den folgenden Zeilen von seiner schmerzhaften Erfahrung und identifiziert alle seine Peiniger. Wie er sagt, wartet er nur auf die öffentliche Anhörung im Gericht, die durch juristische Schikanen des mächtigen Ex-Ministers erneut auf August vertagt
wurde. "Das einzige, was ich verlange ist, dass er nicht entkommt", sagte Cáceres. Nachfolgend das Interview mit einem Reporter der Zeitung ABC Color.
x - Warum hat man sie in diesen angeblichen Putsch im Mai 2000 verwickelt, der mit ihrer Folter endete?
x - Wie ich ihnen schon zu anderer Gelegenheit berichtete, hat man mich durch den Kommandanten ins Polizeihauptamt (Central de Policia) rufen lassen, wo ich mich präsentieren sollte. Ich hatte meinen Dienst an diesem Tag beendet und war auf dem Heimweg. Dann
geschahen folgende Dinge. Panzer fuhren im Zentrum auf. Im Polizeihauptamt war kein Vorgesetzter zugegen. Ich konnte niemanden auffinden, und da habe ich als Dienstältester laut Vorschrift gehandelt. Diese besagt, dass bei Chefs, Gruppenleiter usw. der Dienstälteste das Kommando übernimmt, mit denselben Rechten eines Kommandanten, was ich dann unwissend tat. Es war niemand anders zugegen. Im Morgengrauen des 19. Mail 2000 haben sie mich dann in das Marinehauptquartier gebracht.
x - Dort, wo der Maior Reinaldo Servín inhaftiert ist?
x - Ja, genau dort. Zuerst haben sie mich in ein Büro gebracht, wo sich Präsident González Macchi befand. Dort waren auch Senator Juan Carlos Galaverna und Justizminister Silvio Ferreira. Der Präsident hat mir einige Fragen gestellt. Dann kam Walter Bower. Dann haben sie mich in ein anderes Büro gebracht, nachdem sie alles aus dem Raum entfernt hatten. Ich war dort wie ein Hund gefangen, ohne Bett, kein Fenster, ohne Nichts für 3 Tage: Freitag, Samstag und Sonntag.x - Wann hat man sie gefoltert?

x - Ab dem Sonntagabend, den 21.Mai. Ein Marineoffizier öffnete die Tür und sagte zu mir: "Da kommen die von der Polizeijustiz für eine Aussage". Ich fragte ihn auf Guarani: "Um diese Zeit?" Ich vermutete schon das Schlimmste. Hinter ihm kam eine weitere Person in Zivilkleidung herein, ein grosser dunkelhäutiger Mann von etwa 25 oder 26 Jahren. Der sagte auf Guarani barsch zu mir: "Dreh dich um. Gegen die Wand". Ich fragte ihn, warum. "Umdrehen, hab ich gesagt", schrie er. Er stiess mich gegen die Wand. Sofort gab er mir einen heftigen Schlag, mit beiden geöffneten Handflächen auf die Ohrmuscheln. Das war ganz überraschend, ich hatte es nicht erwartet. Sofort
war ich ganz benommen. In meinen Ohren war ein starkes Pfeifen. Das war wie eine Explosion. Da hat er mir die Hände mit einem Seil hinten auf dem Rücken zusammengebunden und die Augen mit einem Klebeband verbunden. Dann führte er mich aus dem Raum. Er brachte mich in ein anderes Zimmer. Er befahl mir, mich hinzuknien. Dann riss er meine zusammengebundenen Arme mit Gewalt nach oben. Das hat mir einen ungeheuerlichen Schmerz bereitet. Er setzte sich auf meinen Rücken und riss erneut meine Arme nach oben. Dann schlug er wieder auf meine Ohren. Dabei wird einem total schwindelig, man ist hilflos. Dann hat eine andere Person erneut meine Arme mit Hebelwirklung nach vorne gerissen. Der Schmerz, der das verursacht, ist unerträglich. Ich schrie und flehte, dass man aufhöre. "Bitte, hören Sie auf"! flehte ich sie an. "Sei ruhig. Du wirst schon alles singen, was du weisst"! schrie er. Er fragte, "wer hat das finanziert?"
Ich sagte ihm, man habe mich lediglich ins Polizeihauptamt bestellt. "Wer hat das finanziert, Carajo!", schrie er und versetzte mir einen Tritt. Wieder auf dem Boden, setzte er sich erneut auf meinen Rücken und bog mir die Arme nach vorne. Ich schrie wie am Spiess. Durch die Fragen, die sie mir stellten, merkte ich, dass im selben Zimmer auch der Polizeioffizier Jorge López misshandelt wurde. Sie wollten von mir eine Aufzählung. Bei jeder Weigerung verbogen sie mir erneut die Arme.

x - Wen konnten Sie dort identifizieren?

x - Ich selbst konnte die Stimme des Komissars Basilio Pavón von dem Komissariat 11 identifizieren, der mir Fragen stellte. Er fragte mich nach Telefonnummern. Wenn ich nicht antwortete oder etwas falsches sagte, bogen sie erneut meine Arme nach oben, was so
furchtbaren Schmerz verursacht. Das musste ich für 3 Stunden aushalten.

x - War der Marinekommandant diese Nacht dabei?

x - Ja, das war er. Miguel Angel Candia, ein Feigling, verantwortungslos. Der müsste auch in Haft sein, weil er diese Folter unterstützt hat. Ausserdem war noch der Fregattenkapitän Juan Alberto Benítez Benítez anwesend, zu der Zeit Kommandeur der Marineinfanterie. Walter Bower war an der Tür, wie mir der Offizier López sagte. Ich erkannte die Stimme von Bower, als er sagte "Ok, das ist genug". Ich merkte, dass zahlreiche Leute den Raum verliessen.
x - Leute, die diese Vorführung genossen?

x - Als sie mich aufstellten und rausführten, konnte ich durch einen Spalt zwischen Augen und Nase Basilio Pavón neben Bower sehen. Sie haben mich so misshandelt, dass auch das Klebeband auf meinen Augen etwas verrutscht war. Dann hat eine Person ein Geräusch mit zwei Kabeln gemacht, dass sich anhörte wie ein Kurzschluss durch zwei offenliegende Kabel. "Er hat einen festen Hintern", sagte jemand. Dann hat mir jemand den Hosenschlitz aufgemacht. Ich dachte in Panik: Jetzt werden sie dich vergewaltigen. Ich setzte mich vor Angst auf den Boden. Dann hörte ich erneut die Stimme von Bower: "Drück ihm die Hoden zusammen". Sie quetschten sie für ein bis zwei Minuten. Ich schrie vor entsetzlicher Qual. Sie zogen mich hoch und schliffen mich zurück zu meinem Haftzimmer. "Wir kommen wieder", drohten sie.

x - Wie spät war es da?

x - So ungefähr halb ein Uhr nachts. Am nächsten Tag kam ein Arzt, Antonio Gómez, der mir das Medikament "Flogiatrín B3, B12 brachte, um es alle 8 Stunden einzunehmen. Er sagte, ich sei überall verletzt. Am 25. Mai haben sie mich in die sogenannte Agrupación Especializada gebracht, nachdem ich vor der Corte Suprema vorsprechen musste, wo ich die Folter denunzierte. Der Gerichtshof hat erst am 26. angeordnet, mich in die Agrupación Especializada zu bringen. Sie waren schon einen Tag vorher gekommen. Ich musste meine Verlegung unterschreiben, aber unter unsere Unterschrift war die Anmerkung angebracht, dass wie dem Direktor für Polizeijustiz, Franco Ferreira, übergeben wurden, ohne Anzeichen von körperlicher oder seelischer Misshandlung. Das hat ein Arzt mit unterzeichnet.

x - Es ist immer ein Arzt zugegen, der die Folterspuren untersucht...

x- Sie haben unter unsere Unterschrift geschrieben, was sie wollten.

x- Das muss eine Person aus der Umgebung der Verteidigung von Bower und Candia gewesen sein

.x - Und von Alberto Benítez Benítez, der mitverantwortlich ist für das, was geschehen ist. In dem Schriftstück hiess es "die unten unterzeichnenden" und wir, die Misshandelten, haben oben unterschrieben. Aber Lügen haben kurze Beine.

x - Hat sie irgendeine Menschenrechtsorganisation besucht? Denn zu dieser Zeit haben ja alle González Macchi unterstützt...

x - Niemand, ausser einem Repräsentanten des Internationalen Roten Kreuzes. Das war Gerald Peitinet, regionaler Vertreter. Dieser sagte mir, er habe mit dem Wirtschaftsgesandten der US-Botschaft gesprochen.

x - McFarland...

x - Sicherlich war es der. Er sagte, dieser habe berichtet, dass in der Nacht des 18. Mai das FBI die Situation gerettet habe, weil sie diese Krise gut gemanagt haben..

.x - Hat er das über sie gesagt?"

x - Ja, weil ich vom FBI trainiert worden bin

.x - Wer war noch unter ihren Peinigern?

x - Walter Bower, Basilio Pavón, Merardo Palacios, Osvaldo Vera. In den Stunden der Folter waren auch noch Vizeminister Gabriel Chase, Kommissar Víctor Agüero, Carlos Giménez von der Artillerie und ein weiterer Polizist namens Giménez dabei.

x - Wurden noch mehr Leute gefoltert?

x - Natürlich. Ein Offizier Jorge López, der von dem Komissariat 11 zur Marine gebracht wurde.
x - Hat Bower auch im Komissariat 11 foltern lassen?

x - Dort hat man den Komissar Emilio López gefoltert. Der Unteroffizier Escurra wurde verschont.
x - Haben sie ihn nicht misshandelt?

x - Nein, ihn nicht. Man hat den Offizier Jorge López, den Unteroffizier Fabián Ojeda, Rafael Sosa mit Rissen in der Fusssohle, Ricardo Báez, Unteroffizier Lorenzo Genes, Unteroffizier Reinaldo Insfrán und Komissar Emilio López Villarlba misshandelt. Dieser wurde wirklich grausam behandelt, ebenso wie Unteroffizier Próspero Arévalo Ayala, Hauptkomissar Wilson Ojedo. Ein Komissar namens Miguel Angel Figueredo konnte sich auch retten.

x - Das war ja eine richtige Jagd...

x - Ausserdem wurden auch noch 3 Zivilpersonen aus Paraguarí gefoltert: Ramón González, Präsident der Seccional Colorada von Paraguari; Gustavo López, Mitglied des Gemeinderates und Saúl Franco. Die Folterstunden im Komissariat 11 wurden von Pavón, Palacios und Vera vorgenommen.

x - Gibt es jemanden aus dem Umkreis von Bower, der das zugibt?

x - Wir haben Zeugen unter ihnen, die sagen, die Hochrangigen hätten gegrinst, und es genossen, als wir Qualen litten.

x - Warum ist niemand in Haft?

x - Ich hätte nie gedacht, dass wir überhaupt so weit an diesem Punkt ankommen, denn diese Leute sind sehr mächtig und haben alles Geld der Welt zur Verfügung, um die Justiz umzudrehen. Aber ich bin beruhigt. Ein Richter hat schon angekündigt, dass das Delikt Folter niemals verjährt.
Früher oder später wird die Justiz über ihren Köpfen zuschlagen. Das einzige war ich verlange ist, dass Bower nicht entkommt, wenn er sich umzingelt fühlt.

x - Einer der sichersten Beweise ist das Heft aus der Marine, dass man uns zugeschmuggelt hat und das wir schon in der ABC veröffentlicht haben.

x- Genau. Darin stehen alle Namen der Personen, die in der Nacht des 21. Mai 2000 in die Marine kamen. Da steht auch die genaue Uhrzeit dabei.

x - Was denken sie, wer könnte uns dieses Heft zugespielt haben?

x - Ich glaube, dass es die dortigen Marineoffiziere waren, die ihre Abscheu vor den Dingen, die man mit uns machte, nicht verbergen konnten, und keine andere Möglichkeit sahen, diese Ungerechtigkeit in die Welt zu bringen, als das Heft der ABC zu übergeben. Denn sie
wussten, dass die ABC keine Furcht hat, so etwas zu veröffentlichen. Ein Offizier der Marine hat Ehrgefühl, das schwer verletzt worden ist...

Link zum Originalartikel der ABC: